JAN
2018

Radreise Burkina Faso

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Auszug aus dem Reisetagebuch 

Flug Frankfurt Paris – Ougadougou

Glücklicherweise passt das Rad in das Auto, da ein fieser Wintersturm draußen tobt. Die Markierungslinie der Autbahn lässt sich nur schwemenhaft aus der Windschutzscheibe ausmachen
 

Ich verabschiede mich schweren Herzens von meinen Familie und begebe mich zum Terminal. Das Verpacken am Terminal läuft heute überraschend problemlos und routiniert. Der Flieger nach Paris hat natürlich Verspätung wegen des Sturms. Zweifel kommen auf: „Komme ich heute überhaupt bis Paris?!“ Dann plötzlich beginnt das Boarding der kleinen Maschine. Von meinem Fensterplatz aus sehe ich, wie mein Fahrrad just in diesem Moment wieder zurück auf das Gepäckband kommt. Rasch springe ich auf und bitte den Pilot im Cockpit, mein Rad doch noch mitzunehmen. Dieser erklärt mir aber, dass das Gepäckfach durch die vorher ausgefallenen Flüge komplett voll sei und es keine Möglichkeit gäbe, das Rad in dieser Maschine mitzunehmen. Dann waren also meine zehn Anrufe bei Air France völlig umsonst gewesen.


Jetzt heißt es abwarten, da wir weitere zwei Stunden auf dem Rollfeld stehen, bis wir endlich Startgenehmigung erhalten. In meinem Kopf schwirren die Gedanken. „Warum machst du das eigentlich immer wieder, ein Pauschalurlaub hätte doch auch wirklich seine Vorteile?!“ Endlich heben wir ab, und der kleine Flieger wird heftig durchgerüttelt. Um 14 Uhr erreichen wir Paris, und ich bahne mir den kilometerlangen Weg zum Terminal nach Westafrika. Dort treffe ich die drei Schweizer Ruedi, Thomas und Theo. Ruedi und ich begeben uns zum Servicetresen von Air France, und die freundliche Dame erklärt uns, dass man mein Rad direkt nach Ougadougou bringen würde. Dann beginnt das Boarding nach Ouga, und ich lasse mich erschöpft in den Sitz fallen. Die Vorbereitung und Anreise zu Fernradtouren enthalten immer wieder unvorhersehbare Elemente bereit und machen diese daher meist auch so kräftezehrend. Speziell die Ungewissheit, ob das Fahrrad überhaupt mitgenommen werden kann oder ob es heile ankommt, kommt jedes Mal einem wahren Nervenkrieg gleich.

Gegen 21:00 Uhr landen wir in Ouagadougou (Ouga), und als ich den Flieger verlasse, schlägt mir der Geruch von verbrannter Holzkohle und Staub entgegen. Der Vollmond ist von einem dichten Staubschleier verdunkelt. Am Flughafen helfe ich Burga, einer über 70-jährigen Teilnehmerin aus Stuttgart beim Zusammenbau ihres Rades. Von meinem Rad fehlt natürlich weiterhin jede Spur. Ich begebe mich zum Lost-Baggage Counter und übe mich im Warten. Moskitoschwärme schwirren um mich herum. Anschließend verlassen wir das Gebäude und gehen zum Parkplatz. Der verrückte Taxifahrer Ben erwartet uns mit seiner 30 Jahre alten Mercedes-Limousine. Das Gepäck wird eingeladen, und los geht es über die staubigen Pisten der Hauptstadt in Richtung „Auberge Rose des Sables“. Im zersplitterten Rückspiegels erkenne ich noch die hinter Sandsäcken verschanzten Militärpolisten mit ihren dicken Stand-MGs, die den Eingang zum Flughafengelände bewachen. Ruedi erzählt, dass es hier regelmäßig zu Unruhen kommt, und der Flughafen geschlossen wird. Sehr beruhigend!


In der Unterkunft treffen wir auf die beiden Mitreisenden Bert und Viola, die mit Brüssel Air angekommen sind. Ruedi zeigt mir das Ersatzrad, das ein Teilnehmer vor Jahren zurückgelassen hatte. Sofort beginne ich mit den notwendigen Wartungsarbeiten.

Stadtrundfahrt in Ouga 38km

Morgens um fünf Uhr höre ich das laute Rufen des Muezzins. Vor dem Frühstück flicke ich noch den letzten Reifen des Ersatzrads, dabei fällt mir auf, dass hinten zwei Speichen gebrochen sind. Egal, besser als nichts. Zum Frühstück gibt es Baguette mit Tamarindenmarmelade und Nescafe mit Milchpulver. Gegen 9 Uhr radeln wir durch da quirlige morgendliche Ouga. Massen-weise Rollerfahrer schieben sich über die staubigen Lateritpisten. Auf den aspahltierten Hauptverkehrsachsen gibt es sogar eigene Fahrradspuren. Es geht vorbei an hoch umzäunten und gut gesicherten Regierungsgebäuden.

Bei starkem Gegenwind arbeiten wir uns langsam aus der Stadt in die Peripherie heraus. Busse mit hoch aufgestappelten Bergen von Motorrollern auf dem Dach ziehen an uns vorbei. Wir besuchen einen alten Stadtpark, der von den Franzosen angelegt wurde. Hier wurde die ursprüngliche Vegetation der Trockensteppe entsprechend erhalten. Der Karitebaum (Afrikainscher Butterbaum) und der Johannisbrotbaum säumen die Pfade. Ruedi erklärt, wie aus den Karitenüssen wichtige Speiseöle hergestellt werden. Auch im Bereich der lokalen Heilkunde spielt die Karitebutter eine Rolle. Anschließend geht es Kreuz und Quer auf den Rädern durch den Park. Alles scheint stark heruntergekommen zu sein. Die stark verrosteten französischen Hinweisschilder bitten Hundebesitzer, ihre Tiere an der Leine zu führen. An einem Tümpel verspeist ein Krokodil eine Ratte. Im Schatten eines großen Mangobaums verspeisen wir anschließend mehrere wohlschmeckende Bananen.

Im Anschluss fahren wir zurück auf die Hauptstraße und kehren in einem Straßenrestaurant ein. Es gibt geriebenes Maniok mit Zwiebeln und geräucherten Fisch. Selbstverständlich wird mit den Händen gegessen. Nach dem Mittagessen verlassen wir die Hauptstraße und bahnen uns den Weg auf kleinen Pfaden durch die neu hinzugekommenen Ortsteile Ougas. Die Sonne brennt unerbittlich auf uns nieder. Eine ältere Dame lädt uns zu einer Tasse Tee in ihre Holzhütte ein. Es geht vorbei an einer Abbaustelle für Lateritstein und an einer neu errichten Quartierpumpe. Schnell wird uns bewusst, welche Bedeutung die Verfügbarkeit von sauberem Wasser für die Menschen hier hat. Der Lateritstaub hat uns mittlerweile komplett bedeckt und sich tief in die Poren unserer Haut eingenisstet. Einige von uns helfen den Dorfbewohneren dabei, die leuchtend gelben Wasserkanister mit Wasser zu füllen und zaubern so ein freundliches Lächeln in die Gesichter unserer Zuschauer. Weiter führt uns die Strecke vorbei an den riesigen Möbelläden, die ihre modernen handgezimmerten Schrankwände und Betten auf den Außenflächen der Buden präsentieren. Ständig beobachten wir Angestellte, die damit beschäftigt sind, die Möbel vom Staub zu befreien. Die Straßenzüge scheinen hier nach Gewerken sortiert zu sein. Endlich erreichen wir die Unterkunft und sind froh, dass wir dem Staub und Lärm kurzzeitig entfliehen können.

Ouga – Bazoule 75km

Um 8:30 Uhr fahren wir vom Hotel durch das morgendliche Ouagadougou. Entlang der Outskirts geht es hinaus aufs Land. Ruedi ist beeindruckt, wie stark die Stadt in den letzten Jahren gewachsen ist. 

Nach etwa einer halben Stunde verlassen wir die Hauptstraße, und es geht weiter auf einer Staubpiste. Schlagartig lässt der Verkehr nach, und das Landschaftsbild wandelt sich in eine offene Steppenlandschaft. Theo und ich unterhalten uns über das Reisen, und er erzählt mir von seiner Erfahrung als Großvater. Es geht vorbei an kleinen Dörfern, in denen uns die Menschen freundlich zuwinken. Gegen 11:00 Uhr besuchen wir einen lokalen Markt und beobachten das bunte Markttreiben. Unsere Fahrräder lassen wir gegen eine kleine Gebühr in einem speziellen Fahrradparkhaus. Speziell die schönen bunten Kleider der Marktfrauen gefallen uns. Durch das trockene Klima sind die Gerüche hier deutlich zurückkhaltender als zum Beispiel auf den Märkten Madagaskars. Auf den kleinen Marktständen reihen sich fein gestapelte Tomaten und Peperoni nebeneinander. Leuchtend gelbe Maggiwürfel liegen direkt neben Eimern voller frittierter Fischköpfe. Im Vergleich zu Äthiopien sind die Menschen hier viel zurückhaltender, aber trotzdem sehr freundlich. 


Gegen 13:00 Uhr erreichen wir das Dorf Bazule. Mittlerweile brennt die äquatoriale Sonne gnadenlos auf uns nieder, das Thermometer zeigt 45°C im Schatten. Glücklicherweise schafft der Passatwind eine gewisse Abkühlung. Ein lokaler Guide führt uns im gemächlichen westafrikanischen Lauftempo zu einem Wassertümpel. Ruedi erzählt, dass der Wasserspiegel des Sees um zwei Drittel geringer ist als noch vor zwei Jahren. Auf dem Lehmboden liegen präparierte Lehmziegel zum Trocknen. An einem Stock trägt unser Guide ein lebendiges Hühnchen, um es den heiligen Krokodilen als Mittagessen zu servieren. Leider scheinen die Krokodile auch Siesta zu machen und zeigen kein wirkliches Interesse. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt endlich ein größeres Exemplar an Land, und wir können die obligatorischen Fotos mit dem Krokodil machen.

Anschließend nehmen wir ein leckeres Mittagessen im zugehörigen Restaurant ein und unterhalten uns mit einem italienischen Motorradfahrerpaar, das schon seit sechs Jahren mit dem Motorrad in Afrika unterwegs ist. Nach dem Mittagessen geht es zurück auf die Piste, und nach wenigen Kilometern kommen wir an einer lokalen Schule vorbei und werden sofort von neugierigen Schülergruppen umringt. Der Lehrer bittet uns ins Klassenzimmer, und 60 Paar interessierte Kinderaugen blicken uns neugierig an.

Die weitere Strecke führt uns durch eine schöne Allee von alten Baobabbäumen. Die Landschaft erinnert mich intensiv an die Schilderung der Romane von Chinua Achebe. Wir erreichen die Außenbezirke von Ouagadougou, und der Motorradverkehr wird zunehmend stärker. Ab jetzt ist wieder erhöhte Konzentration gefordert, und die Abgase der Zweitakter machen uns zu schaffen. Trotz der Unmengen an Rollern sehen wir jedoch keinerlei Unfälle. Zum Abendessen gehen wir in ein nahgelegenes senegalesisches Restaurant. Nach dem Abendessen fahren wir zum Busbahnhof und Ruedi hofiert den „Chef de Bagage“, damit unsere Räder am nächsten Tag mitgenommen werden. Den restlichen Abend verbringe ich mit Ruedi auf dem internationalen Flughafen, um mein Fahrrad entgegenzunehmen.


Bustransfer BoBo

Im Morgengrauen radeln wir zum Busbahnhof um noch die restlichen Räder zu verladen. Ein Teil der Gruppe besteigt den Bus, und wir laufen zurück ins Hotel, nehmen ein Frühstück ein. Um 9:00 Uhr fahren wir mit einem alten Mercedestaxi zurück zum Busbahnhof und beobachten das quirlige Treiben. Unter einem Tuch versteckt, liegt eine Frau auf einer Matratze und scheint seelenruhig zu schlafen. Unmengen von Hirsesäcken und Warenkartons stapeln sich neben dem Bus. Motorroller werden auf das Dach des Busses geladen. Pünktlich um 10:00 Uhr beginnt das Boarding.

Zu Beginn der Busreise werden wir noch angenehm von Bryan Adams Liebesschnulzen eingehüllt, doch nach etwa 30 Minuten wird das Musikprogramm unterbrochen und es folgen fünf anstrengende Stunden Dauerbeschallung. Die Lautstärke des TVs ist auf das Maximum aufgedreht, und es folgen dutzende Folgen der Serie Prison Break. Bei den Feuergefechten platzen uns fast die Trommelfelle. Trotz der kriegsähnlichen Beschallung lassen sich Frauen in bunten Tüchern nicht davon abbringen, ihre Babys zu füttern. Ein kleines Mädchen mit schönen Cottonrows späht vorsichtig zu uns über die Rückenlehne des Sitzes.
 

Das Landschaftsbild zeigt sich als karg und trocken, die Dörfer entlang der Asphaltstraße wirken ärmlich. Während der Mittagszeit sitzen viele Menschengruppen unter den großen schattigen Mangobäumen. Es folgt ein kurzer Polizeistopp, und kurze Zeit später machen wir eine zehnminütige Mittagspause. Beim Verlassen des Busses werden wir sofort von Marktfrauen umringt, die uns heftig ihre Ware anpreisen. Es gibt leckere Sesamtaler, hart gekochte Eier, Baguette und Bananen. Auf Marktständen wird frisch gebratenes Fleisch angeboten. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir endlich das Busterminal von Bobo. Von hier aus radeln wir leicht den Berg hinauf zu einem markanten Wasserturm, ab hier fahren wir auf einer Lateritpiste weiter. Schnell erreichen wir unsere Unterkunft „Zion“. Hier hatte sich ein vor einigen Jahren ein französisches Aussteigerpaar ihren Reggae-Rasta Traum aufgebaut. Aufgrund einer schweren Krankheit musste das Paar irgendwann nach Frankreich zurückkehren und heute wird die Unterkunft von Odi, einer freundlichen jungen Rastafrau aus Bobo, und ihrer Familie geführt. In der Mitte der Anlage steht eine große offene Rundhütte, und es gibt eine Bühne für Livekonzerte. Die Wände der Anlage sind geschmückt mit typischen Reggaesymbolen. Zum Abendessen gibt es eine vorzügliche Lasagne, und um 22:00 Uhr kommt ein lokaler Kabarettist, der eine Satireshow liefert.


 

Radfahrt zu den Animsten (ca. 10 km)

Nach einem leckeren Frühstück mit frischer Marmelade radeln wir durch die Ausläufer von Bobo. Einzelne Lehmhütten weichen der immer offener werdenden Steppenlandschaft. Die Strecke fällt leicht ab, und die Piste wird zunehmend steiniger. Es geht durch einen leuchtend grünen Mangobaumhain, in dessen Umfeld Paprika angebaut werden. Mithilfe einer Motorpumpe werden die Felder bewässert. Unser Guide erklärt uns, dass die Preise für Paprika in den letzten Monaten stark angestiegen sind und es daher sehr lukrativ ist, diese zur Zeit anzubauen. 

Ruedi erzählt, dass noch vor einigen Jahren dieser Bereich manuell bewässert wurde. Nach wenigen Kilometern erreichen wir ein Gehöft, wo viele Motorräder geparkt sind. Hier lassen wir unsere Räder zurück und laufen zu Fuß weiter. Der Weg verläuft abwärts durch die Abbruchkante des Sandsteins. Wir genießen den weiten Ausblick in die Steppenlandschaft. Der rotbraune Sandsteinfels bildet hier bizarre Felsformationen aus. Ruedi erklärt uns, dass sich diese Abbruchkante für über 300 km bis nach Mali weiterzieht. In diesem Zusammenhang erzählt mir Burga von ihrem Besuch bei den Doganvölkern in Mali. Jetzt klettern wir abwärts in eine enge Felsklamm, und unser Guide erklärt uns, dass wir ab jetzt nicht mehr fotografieren dürfen und alle roten Gegenstände oder Kleidungsstücke entfernen sollten. Die roten Farben seien der Welt der Geister zugeordnet. Nach wenigen Metern erreichen wir eine schattige Klamm mit einem kleinen Flüsschen. Die Szenerie ist skurril. Der Boden ist übersät von Hühnerfedern und Innereien von Hühnern, Kühen und Schafen. Hochgewachsene Männer sind dabei Tiere zu schlachten und deren Innereien zu entnehmen. Man bittet uns darum, unsere Schuhe auszuziehen, und vorsichtig bahnen wir uns den Weg über den glitschigen und schleimigen Untergrund zu einem Opferstein. Anschließend schlägt unser Guide einem Huhn den Kopf ab und verteilt das Blut über dem Felsen. Es folgt das Rupfen des Huhns und die Anbetung der Ahnen. Zur Vervollständigung der Zeremonie reicht er uns eine Kalebasse mit bitterem Hirsebier. Nur wenige Meter von uns entfernt raufen sich zwei offensichtlich stark betrunkene Männer auf dem Blut und federverschmiertem Boden. Als nächstes werden die Innereien unseres Tieres entfernt, und wir klettern hinunter zu einem natürlichen Flusspool, in dem spezielle Welze leben, die die Innereien des Huhns bekommen. Dies ist das Ende des animistischen Prozesses. Wir holen unsere Schuhe und verlassen die bizarre Heiligenstätte.

Beim weiteren Abstieg in die Klamm wird die Vegetation zunehmend üppiger und grüner. Nach 500 m verlassenen wir das Flüsschen und steigen links den Hügel hinauf und erreichen ein Hochplateau. Wir erreichen ein palmgedeckten Unterstand und trinken eine warme Cola. Hier hat der deutsche Botschafter von Burkina Faso ein Tourismusprojekt initiiert, mit dem Ziel diesen speziellen Ort auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Ein seichter Wind unterstreicht den wunderschönen Ausblick auf die Sandsteinformation. Nach einer ausgedehnten Siesta laufen wir zurück in Richtung Felsaufstieg. Im Schatten von großen Mangobäumen sitzen einige Frauen und machen Siesta. Neben ihnen türmen sich große Stapel von Holzzweigen, die sie später auf dem Kopf balancierend den Fels hinauf tragen werden. Das Gewicht der Holzpakete schätzen wir auf 20-30 Kilo. Stetig steigen wir weiter hinauf, und es kommen uns junge Frauen entgegen, die auf dem Rücken ein Fahrrad tragen. Dann erreichen wir den Fahrradparkplatz. Ruedi erklärt uns, dass die traditionelle Feuerstelle aus drei Steinen besteht, die der Frau gehören. Im Falle einer Trennung nimmt die Frau diese Feuersteine mit in ihre neue Ehe. Auf dem Heimweg machen wir noch eine kurze Stippvisite in einer traditionellen Hirsebierbrauerei.

Bobo – Ordodara (75 km)

Nach einer nur mäßig stickigen Nacht verlassen wir gegen 8:00 Uhr unsere Unterkunft. Wir bahnen uns unseren Weg durch das morgendliche Gewühl von Motorrollerfahrern. In westlicher Richtung verlassen wir die städtische Agglomeration von Bobo und passieren das weitläufige Flughafengelände. Die Besiedlung wird zunehmend spärlicher, und auch der Verkehr nimmt deutlich ab. Die gut asphaltierte Straße führt durch eine karge Trockensavanne mit wenig Schatten. Nach etwa 30 km machen wir ein Picknick an einem Wasserloch. Es gibt Baguette, Gurken und Zwiebeln. Wir beobachten einen Viehhirten, der seine Rinder zur Tränke führt. Das Thermometer zeigt mittlerweile 42 °C. 

An einer Polizeistreife werden wir angehalten, und die Polizisten fragen interessiert nach unserem Ziel. Dank Ruedis gekonnten Verhandlungsgeschick kommen wir ohne jegliche „Gebühren“ weiter. Die Strecke wird zunehmend hügeliger und anstrengender. Nach etwa 45 km erreichen wir die Reste der alten Brücke der ehemals von den Franzosen gebauten Straße. 
Unten am Fluss beobachten wir Frauen in bunten Kleidern bei der täglichen Wäsche, einige von ihnen haben ein Baby auf dem Rücken. In dem kleinen staubigen Straßenort kehren wir in einen Maquie (einfaches Straßenrestaurant) ein und essen ein fettiges Omelette. Immer wieder kommen Schulkinder im Laden vorbei und kaufen für wenige Cent gekühlte Getränke in Plastikbeuteln. Nach dem Mittagessen legen wir uns unter einen großen schattigen Mangobaum nahe des Flusses und machen eine entspannte Siesta. Sanft umspielt uns der seichte Wind, und schnell sind wir eingeschlafen. 

Nach der Mittagspause übernehme ich ein Teil von Burgas Gepäck, da sie schon ziemlich müde ist. Burga hat früher ausgedehnte Solomotorradtouren durch Nordafrika unternommen und war auch schon mit dem Rad im Senegal unterwegs. Die Hitze ist jetzt nur schwer zu ertragen macht und unser Vorankommen mühseliger. Etwa fünf Kilometer vor Orodara machen wir halt in einem Straßencafé und lassen uns geschafft auf die im Schatten stehenden Plastikstühlen nieder. Ein junger Mann stellt sich uns vor und spielt uns auf einem traditionellen Saiteninstrument ein Lied vor. Plötzlich beginnen alle um uns herum wild zu tanzen und mitzusingen.

Beeindruckt von dieser spontanen Performance verabschieden wir uns von den Leuten. Wir radeln die letzten Kilometer nach Orodara und checken in das Hotel „Prestige“ ein. Wie versprochen gibt es hier wirklich eine der besten Duschen Afrikas. Die Zimmer sind für unsere Verhältnisse luxuriös eingerichtet, und jeder hat sein eigenes Bad. Abends laufen wir entlang der beleuchteten Hauptstraße in das überschaubare Zentrum der Stadt. Die Luft ist extrem verqualmt und staubig. Es riecht nach verbrannter Holzkohle und nach nach dreckigen Dieselabgasen. Entlang der Straße reihen sich einfache Wellblechbuden, die unterschiedliche Waren anbieten. Wir kehren in ein einfaches Restaurant ein und essen Maniok mit einer scharfen Erdnusssauce.

Orodara – Moussodougou -Orodara (55 km)

Nach einem guten Frühstücksomlette im schattigen Innenhof machen wir noch einige Besorgungen und radeln dann weiter auf einer breiten, nicht asphaltierten Nationalstraße. Entlang der Straße säumen sich zahlreiche Cashewbäume. 

Ruedi zeigt uns die leuchtend rote Cashewfrucht, die uns an eine kleine Paprika erinnert. Am unteren Ende der Frucht befindet sich die begehrte Nuss. Vereinzelte überladene LKWs bahnen sich den staubigen Weg durch den Lateritstaub in Richtung Ghana. Ansonsten werden wir nur von mit gelben Wasserkanistern beladenen Motorradtaxis überholt. Die Fahrer grüßen uns freundlich und bahnen sich geschickt ihren Weg durch den extremen Staub. Entlang der Straße zeigen sich nun immer langgestreckte Allen von uralten Mahagonibäumen mit weit ausladenden Kronendächern. Ruedi erzählt uns, dass noch vor zehn Jahren fast alle Straßen so ausgesehen haben, aber viele der Bäume dem Kahlschlag weichen mussten.

Gegen Mittag erreichen wir das laut Reisebeschreibung schönste Dorf Afrikas. Wir fallen in den Innenhof eines Maggis ein und trinken eine kalte Cola. Neugierig werden wir von mehreren Kinderaugen beäugt. Anschließend laufen wir durch die kleinen Gassen des überschaubaren Wochenmarktes und beobachten eine Hairstylistin bei der Arbeit. Überall fliegen Teile von schwarzen Plastiktüten durch die Landschaft.


Plötzlich taucht ein Mann auf einem Motorrad auf und weist sich als Zivilpolizist aus. Er bittet uns umgehend auf die Wache zu kommen. Während wir einem Schneider bei der Arbeit über die Schulter schauen, taucht ein weiterer Motorradpolizist mit leuchtend blauer Uniform auf. Etwas mulmig und genervt radeln wir zur Wache. Ein uninformierter Polizist stellt uns eine Bank vor die Wache und bittet uns Platz zu nehmen. Der englischsprachige Zivilpolizist bittet mich darum, dass er mein Fahrrad ausprobieren dürfe. Ich biete ihm an, mein Fahrrad gegen sein Motorrad zu tauschen. Daraufhin antwortet er, dass sein Motorrad Schrott aus China und dieser Deal für mich nicht gut sei. Anschließend werden wir einzeln auf die Wache gerufen. Zwei Polizisten sitzen hinter einem Schreibtisch und nehmen unsere Daten auf einem Blatt Papier auf. Neben dem Schreibtisch steht ein Bett mit einem Moskitonetz, ansonsten scheint es keine weitere Ausrüstung zu geben.

Nach der zeitintensiven Überprüfung dürfen wir weiter und verlassen das Dorf über kleine Pfade. Wir kommen an schönen Lehmhütten und hübschen Kornspeichern vorbei. Zwischen den Rundhütten sitzen ein Dutzend Frauen im Schatten eines großen Mangobaums und zupfen Hibiskusblüten von den Zweigen. Die Frauen scheinen sich von uns in keinster Weise gestört zu fühlen. Sie setzen ihre Arbeit mit großer Konzentration fort und erklären uns, was sie machen. Nach einiger Zeit verabschieden wir uns und radeln auf schönen kleinen Pisten zurück nach Orodara. Unser Abendessen nehmen wir an einem einfachen Straßenstand vorm Hotel ein. Es gibt Reis mit schwarzen Bohnen auf Plastiktellern.


Orodara – Sindou 75 km

Frühmorgendlicher Einkauf im überschaubaren Markt von Orodara. Die ersten 10 km folgen wir der Asphaltstraße, dann biegen wir links auf eine Piste ab. Diese führt uns durch eine schöne Landschaft, entlang der Straße säumen sich weit ausladende Mahagonibäume. Zwischen den Cashewbäumen wird Baumwolle kultiviert.

Gegen 11:00 Uhr nehmen wir in einem kleinen Dorf einen Tee ein und beobachten das Dorfleben. Anschließend geht es weiter, und die Piste wird aufgrund vermehrter Sand- und Steinpassagen zunehmend anspruchsvoller. Jetzt ist Bert mit seinem modernen, voll gefederten Mountainbike klar im Vorteil. Ich werde auf meinem alten Stahlross extrem durchgerüttelt. Ab und zu kämpft sich ein überladene Truck oder Bus über die staubig und wellige Piste. Gegen 13:00 Uhr erreichen wir ein schönes Dorf mit traditionellen Rundhütten und werden von einer Schar von Kindern neugierig begrüßt. Interessiert berühren sie unsere Räder und wollen uns alle die Hand geben. Ruedi fasziniert die Kinder mit den mitgebrachten Seifenblasen. Unter einem palmgedeckten Unterstand nehmen wir ein einfaches Mittagessen ein. Selbstverständlich essen wir das Maniok mit Erdnusssauce wie landesüblich mit den Händen. Ein junges weibliches Zwillingspaar mit schönen Rastazöpfen gesellt sich zu Viola. Die beisen lassen nicht mehr von ihr ab. Vor der Hütte sitzen dutzende Kinder und beobachten uns. So viele Weiße beim Essen sieht man hier sicherlich nicht sehr häufig. Dann geht es zurück auf die zunehmend rüttellige Wellblechpiste. Ab hier ist wieder unsere volle Konzentration gefordert. Es ist weniger die körperliche Anstrengung und Hitze als die Konzentration auf den Untergrund, die uns zu schaffen macht. Wir werden jedoch belohnt mit schönen Ausblicken auf leuchtend rote Lateritrundhütten.


Nach einem längeren Anstieg erreichen wir an einer Pistenkreuzung ein kleines Dorf, und unter einem schattigen Mangobaum lassen wir uns auf den Plastikstühlen einer Kneipe nieder. Der junge muskulöse Kneipenwirt hatte sich uns bereits beim Mittagessen vorgestellt und uns gebeten, in seiner Kneipe Halt zu machen. Er freut sich sehr, dass wir ihn besuchen, und er kann sogar ein paar Brocken Deutsch. An einem Nachbartisch sitzen einige ältere Herren, die hier ein kaltes Bier trinken und den seichten Wind genießen. Auch wir genießen die entspannte Atmosphäre und freuen uns über den kühlenden Wind. Es ist offensichtlich, dass Zeit in dieser Kultur noch einen anderen Stellenwert hat als in unserer stark verdichteten beschleunigten Kultur in Westeuropa. Wir verabschieden uns und kommen an eine weitere Kreuzung, an der noch vor wenigen Jahren riesige alte Mahagonibäume gestanden haben müssen. Heute finden sich nur noch die Reste der abgesägten Baumstümpfe dieser alten Baumriesen. Ruedi erzählt uns davon, wie Michael bei seiner ersten Tour an dieser Stelle seine berühmte Reiseweste mit sämtlichen Ausweisdokumenten verloren hat und gezwungen war zurück nach Ouga zu fahren. 

Wieder geht es leicht hinauf, und dann bietet sich uns ein spektakulärer Blick in die weite Ebene und auf die Sandsteinfelsformation von Sindu. Dann endlich erreichen wir die Asphaltstraße und rauschen hinab nach Sindu. Wir beziehen Quartier in einem schönen Camp, und jeder von uns bekommt seine eigene Rundhütte. Es gibt sogar fließendes Wasser und somit eine erfrischende Dusche. Zum abendlichen Hirsebrei mit Tomatensauce gesellt sich der Präsident der Stiftung und erzählt uns davon, dass Burkina Faso sehr unter der schlechten medialen Darstellung in den westlichen Medien leidet.

Ruhetag in Sindou

Nach etwa 10 Stunden Schlaf genießen wir frischen Honig mit Baguette. Im Anschluss laufen wir mit dem Präsidenten der Stiftung zur Gendarmerie. Der Chef der Wache freut sich uns begrüßen zu dürfen. Der Alltag der Polizisten in Sindou scheint nicht wirklich von großer Hektik geprägt zu sein. 

Im Dorf schauen wir uns die unterschiedlichen Quartiere an. Ständig begleitet uns eine Horde von Kindern und freut sich über unsere Aufmerksamkeit. Jedes der einzelnen Quartiere wird über eine Art Tor betreten und verfügt über eine eigene Verwaltungsstruktur, die vom Quartierchef angeführt wird. Die Frage, ob Scheidungen hier ein gängiges Phänomen seien, winkt der Präsident gelassen ab und unterstreicht, dass dies nur sehr selten vorkäme. Scheidungen kämen eigentlich nur dann vor, wenn der Ehemann die Frau nicht mehr ernähren könne. 

Die runden Hütten sind die Hütten der Frauen, während die eckigen Hütten von Männern bewohnt werden. Der sogenannte Gyro ist ein lokaler Geschichtenerzähler, der die orale Tradition der Community bewahrt. Früher war es üblich, dass jede Familie einen eigenen Gyro hatte. Heute haben sie eher eine Belustigungsfunktion und ziehen von Dorf zu Dorf. Viele der Bewohner glauben an den Animismus und haben häufig noch eine weitere Religionszugehörigkeit wie zum Beispiel den Islam. Auch Heiraten zwischen unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften stellen hier kein großes Problem dar.


Ein älterer Herr sitzt an einem einfachen Webstuhl und ist dabei, einen fast 15 m langen Schal zu weben. Der Schal trägt die klassischen Farben des Stammes und darf nur von älteren Stammesmitgliedern getragen werden. In dem sich anschließenden Töpferbereich beobachten wir die Töpferin bei der Erstellung schöner großer Tonkrüge. Der unfertige Tonkrug steht nicht wie bei uns üblich auf einer Drehscheibe, sondern hier läuft die Töpferin um den Topf herum. Der verwendete Ton wird in den naheliegenden Sandsteinfelsen abgebaut dann zerkleinert und dann weiterverarbeitet. Die Mittagshitze brennt mittlerweile gnadenlos auf uns nieder, und deswegen kehren wir in eine Kneipe ein und trinken eine kalte Cola. 

Nach einer ausgedehnten Siesta laufen wir mit einem lokalen Führer zu den Sandsteinfelsen von Sindou. Am Fuß der Felsen erklärte er uns, dass die Felsformationen aus dem Präkambrium stammen, als es hier noch ein großes Urmeer gab. Dieses Urmeer hat hier die unterschiedlichen Gesteinsschichten abgelagert, und diese wurden im Laufe der Zeit durch erosive Prozesse überformt. Zwischen den Sandsteinen finden wir auch vulkanisches Gestein, des von sogenannten Black Smokern herrührten. Das rötliche Gestein wird in der abendlichen Sonne schön illuminiert. Der erste Stamm der Sinofus hatte hier oben in den Felsen ihr erstes Quartier. Heute wird der Ort für Initiationsriten genutzt. Vor einigen Jahren drehte ein französischer Regisseur hier oben einen Dokumentarfilm über die Sinofus, und es finden sich noch heute Reste der ehemaligen Filmrequisiten. An den steilen Felswänden fällt uns ein extrem dorniger Busch auf, und unser Führer erklärt uns, dass die Pflanze stark toxische und paralysierende Eigenschaften aufweist. Früher wurde das das Gift für die Erstellung von Pfeilgiften genutzt. Auf einer Anhöhe bietet sich uns eine spektakuläre Aussicht in die weite Ebene. Grüne Reisfelder leuchten in der Abendsonne, und Greifvögel kreisen in der Thermik.

Sindou – Niansangoni (40 km)

Nach dem Frühstück im Camp besuchen wir die Primarschule des Ortes. Auf dem Pausenhof findet gerade eine Sportstunde statt. In den Klassenräumen werden wir von gut 50 Paar neugierigen Kinderaugen betrachtet. Ich nutze die Möglichkeit zu einem kurzen Austausch mit Kollegen vor Ort. 
 

Anschließend fahren wir weiter auf einer Piste, und es geht vorbei an pittoresken Dörfern mit schönen Kornspeichern. Bunt gekleidete Frauen tragen stolz unterschiedliche Waren auf ihren Köpfen zu den Märkten. Auf einer sandigen Passage rutscht Theo vom Rad und schlägt sich sein Knie auf. Glücklicherweise kann unsere Medizinerin Viola die Wunde fachmännisch versorgen. Die Strecke führt uns wieder durch schöne schattige Alleen von Mahagonibäumen. Auf einer kleinen Brücke machen wir Rast und essen Baguette mit Gurken. Drei Jungs auf schweren einheimischen Stahlrössern betrachten fasziniert Berts Hightech Mountainbike. An einer Kreuzung nahe eines riesigen alten Baobabs trinken wir in einem Maquis eine warme Cola und besuchen eine Bäckerei. Die letzten vier Kilometer ziehen sich elendig durch eine baumlose heiße Ebene. Wir erreichen das einfache, aber schön gelegene Camp zu Füßen der Sandsteinfelsen.


Nach einer kalten Cola halten wir die Mittagshitze nicht länger aus und ziehen uns in unsere Rundhütten zurück. Um 16:30 Uhr laufen wir mit einem lokalen Führer hinauf in die Felsen. Er erzählt, dass dies das ursprüngliche Gebiet des Warra-Volkes sei. Es habe sich früher hier oben gegen mögliche Angriffe aus Mali geschützt Der Pfad führt steil bergauf, und kleine Baobabbäume zieren die Felswände. Von oben haben wir einen weiten Blick in die Ebene und auf das Grenzgebiet von Mali. Anschließend erreichen wir einen Felsüberhang, in dem die alten Kornspeicher der Warra liegen. Heute wird dieser Ort für Initiationsriten genutzt. Wir schauen uns den durch den Staub eingetrübten Sonnenuntergang über der weiten Ebene an und lauschen dem Stampfen der Hirse aus den Dörfern. Rasch wird es dunkel, und wir steigen zurück hinunter ins Camp und freuen uns über die leckeren Spaghetti und den beeindruckenden Sternhimmel. 


Niansangoni – Sindou (40 km)

Nach der recht frischen und sternenklaren Nacht genießen wir die süße Mangomarmelade zum Baguette. Anschließend besuchen wir eine kleine Krankenstation des Ortes und sind fasziniert von einem Poster, welches einen langen Bandwurm auf einer Spindel zeigt, der aus einem angeschwollenen Fuß gezogen wird. Warnung vor dem Guinea-Wurm. Die Krankenschwester zeigt uns den Malariaschnelltest und erklärt, dass Malaria hier das größte Problem sei. Burga, Viola und ich nehmen dieselbe Strecke von gestern zurück nach Sindou während die anderen eine andere Strecke fährt. Wir genießen das gemächliche afrikanische Tempo und machen viele Pausen unter den ausladenden Mahagonibäumen und beobachten wie bunt gekleidete Marktfrauen verschiedenste Waren auf ihren Köpfen zu den Marktständen transportieren.

Gegen Mittag erreichen wir Sindou. Burga und ich kehren in ein Gartenrestaurant ein und nehmen ein Mittagessen zu uns. Den restlichen Nachmittag verbringen wir unter einem schattigen Mangobaum, ich nutze die Zeit zum Zeichnen. Zum Abendessen gibt es schmackhafte, selbst gemachte Pommes mit Hähnchen. Nach dem Abendessen besucht uns der lokale Operateur des Krankenhauses und erzählt uns, dass er sein Handwerk hauptsächlich durch das Zuschauen erlernt hat.

 

Ausflug zum Stausee (20 km)

Nach dem Frühstück fahren wir vorbei an den Sandsteinfelsen von Sindou und radeln vorbei an grünen Reisfeldern. Unser Weg führt uns über einen Damm, und plötzlich taucht ein See mit palmengesäumten Ufern am Horizont auf. Die Szenerie wirkt äußerst bizarr. Wir schieben unsere Räder hinunter ans Ufer und machen dort ein kleines Picknick. Frauen waschen ihre Wäsche und ein Fischer wirft sein Netz aus. Burga und ich beschließen, zurück zum Camp zu radeln, während die anderen noch eine ausgedehnte Rundtour um den See machen. Den Nachmittag verbringen wir in den Hängematten, und ich nutze Zeit, um unterschiedliche Motive entlang der Straße zu zeichnen. Hier zeigt sich mir wieder die hohe Bedeutung der Muße für die Entstehung des kreativen Schaffensprozesses. Die unterschiedlichsten Bildideen und Perspektiven schießen mir wie von selbst in meinen Kopf.

 

Sindou – Tangela (65 km)

Nach dem Frühstück bekommt Theo seine bestelle Weste in Stammesfarben. Gegen 9:00 Uhr verabschieden wir uns vom Präsidenten der Vereinigung und radeln entlang der Asphaltstraße, bis wir nach etwa 10 km rechts ab auf eine Piste biegen. Es geht durch eine heiße, trockene und palmengesäumte Ebene. Gegen 11:00 Uhr machen wir den ersten Teestopp. Die Barbesitzerin wirkt äußerst amüsiert durch die Tatsache, dass plötzlich so viele Weiße in ihren Laden einfallen. Anschließend schwingen wir uns wieder auf unsere Stahlrösser und konzentrieren uns auf den sandigen und steinigen Pistenabschnitt. 

Gegen zwölf Uhr erreichen wir ein Maquis (einfaches Straßencafé) in einer größeren Ortschaft und nehmen ein Omelette mit Brot ein. Theo verschwindet wie immer auf irgendwelche Erkundungstouren. Nach dem Mittagessen wird es zunehmend heißer, und die Strecke bietet wenig Schatten. Einige Kilometer später bahnen wir uns auf einem kleinen Pfad den Weg vorbei an schönen Rundhüttendörfern zu einem mächtigen Baobab. Der ca. 300 Jahre alte Baum hat einen Stammdurchmesser von ca. 18 m. Durch eine kleine Öffnung klettern einige von uns in den Innenraum des Baumes und betrachten die Fledermäuse. Währenddessen beobachte ich ein Mädchen beim Hirse stampfen und versuche mich selbst daran. Der etwa zehn Kilo schwere Holzstampfer will in der richtigen Technik in den großen Mörser geschlagen werden. Nicht einfach! Das junge Mädchen erfreut sich an meinem Ungeschick, und Bert meint, dass wir Deutschen jeden Monat 30 € im Fitnessstudio verpulvern würden, um den gleichen Effekt zu erreichen. Das Geräusch der stampfenden Hirse ist morgens und abends omnipräsent in den Dörfern des Westens zu hören.

Im Anschluss radeln wir weiter bis zur Kreuzung zur Asphaltstraße nach Banfora. Nach weiteren sechs Kilometern erreichen wir Tangela und biegen rechts auf eine kleine Piste ab. Unser einfaches Camp wurde früher von sogenannten Overlandtouristen besucht. Seit der Malikrise kommen jedoch nur noch sehr wenige Touristen hierher. Der hoch gewachsene, stämmige und sehr dunkelhäutige Wirt begrüßt uns etwas mürrisch und zurückhaltend. Leider hat er es noch nicht geschafft, gekühlte Getränke für uns zu organisieren. Ruedi erzählt, dass es jedes Jahr auf neue eine wahre Kunst wäre, ihn motivieren zu können, ein guter Gastgeber zu sein. Wir beziehen unsere spartanischen Rundhütten, und gegen 17:00 Uhr bringt uns sein Sohn in einem zerrissenen T-Shirt zum See. Die Holzkanus liegen mit Wasser gefüllt am Grund des Sees. Mit einer leeren, stark verrosteten Tomatenmarkdose wird das Wasser rasch entfernt, und man bittet uns, Schwimmwesten anzulegen. Vielleicht wäre dies bei dem vorherrschenden Bootsmaterial auch angebracht, aber wir lehnen aufgrund der hohen Temperaturen dankend ab. Vor meinem geistigen Auge zeigt sich die Seite des Auswärtigen Amtes zur Sicherheitslage in Banfora: „Die in Tangela verwendeten Ausflugsboote entsprechen nicht deutschen Sicherheitsvorschriften und sollten daher nur mit äußerster Vorsicht benutzt werden.“ Dann bittet uns unser Guide auf den schmalen unbequemen Planken Platz zu nehmen, und schon geht es vorbei an blühenden Seerosen.

Auf dem See befinden sich einige Fischer, und wir bekommen auch die Hinterteile einiger Nilpferde zu Gesicht. Trotz des ständig nachströmenden Leckwassers genießen wir den farbenprächtigen Sonnenuntergang auf dem See. Im Anschluss laufen wir zurück ins Camp und nehmen unter dem schönen Sternenhimmel ein leckeres Hühnchengericht mit Bohnen in Tomatensauce zu uns. Die Nachtruhe wird für mich nur mäßig erholsam, da meine Rundhütte sehr stark nach aggressiven Lösungsmitteln stinkt.

Tangela – Banfora -Wasserfälle (30 km)

Auf dem Weg nach Banfora überholen wir auf der gut ausgebauten Asphaltstraße mehrere in Schuluniform gekleidete Schülergruppen auf Fahrrädern. Rasch sind wir mitten im Gewusel der Stadt und sind irritiert von dem Lärm und Staub, den wir in den letzten Tagen nicht hatten. 

In der Nähe einer großen Halle, die als Kinosaal dient, stellen wir unsere Fahrräder ab. Am Ende der Straße liegt das stark heruntergekommene Bahnhofsgebäude. Einzelne stark verrostete Güterwagen stehen entlang der Strecke. Anschließend laufen wir durch die engen Marktgassen von Banfora, einem der größten Märkte Westafrikas. Fein säuberlich gestappelte Tomatenhaufen liegen neben leuchtend bunten Paprikabergen auf bunten Tüchern ausgebreitet, dahinter die Marktfrauen in ihren bunt gemusterten Wickelkleidern. Welch eine Sinfonie an Farben!

Schon jetzt brennt die Sonne gnadenlos auf uns nieder. Schnell retten wir uns in die schattigen Gassen der Markthalle und beobachten die Schneider bei der Arbeit. Die Wände zieren wunderschöne bunte Gewänder. Das Bügeleisen wird hier immer noch mit Holzkohle betrieben. Wir treffen eine deutsche Familie aus Koblenz, deren Tochter hier ein freiwilliges soziales Jahr bei den Ordensschwestern macht. In einem Supermarkt trinken wir einen kalten Mangosaft und finden sogar deutsche Alpenbutter im Kühlregal. Danach laufen wir zurück zu unseren Fahrrädern und radeln zu einer von großen schattigen Mangobäumen umsäumten Joghurtfabrik. Die Ruhe und der seichte Wind lassen uns die Mittagshitze deutlich erträglicher machen. Die Besitzerin freut sich Rüdi zu treffen. In Westafrika stellt Joghurt ein rares Gut dar, da viele Afrikaner eine Laktoseintoleranz haben.

Wir verabschieden uns und radeln weiter entlang abgeernteter Zuckerrohrfelder bis zu einem Pistenabzweig. Ab hier folgen wir einer schattigen Mahagonibaumallee, bis wir den Eingangsbereich der Wasserfälle erreichen. Zu Fuß folgen wir dem steilen felsigen Weg hinauf zu den Wasserfällen. Vorsichtig überqueren wir das rutschige Flussbett und lassen uns im Schatten eines Mangobaums nieder. Das Wasser ist wunderbar erfrischend. Wir verbringen einen entspannten Nachmittag und genießen süße Papaya. Am späten Nachmittag laufen wir zurück und bewundern den weiten Ausblick in die Ebene. Unser Heimweg führt uns entlang von Bewässerungsgräben durch weitere Reisfelder. Wir genießen einen wunderschönen Sonnenuntergang über der weiten Ebene, Viehherden werden im roten Licht der untergehenden Sonne zusammengetrieben. Zum Abendessen gibt es ein leckeres Abendessen mit Kartoffeln und gebratener Banane.


Tangela – Beregadougou (35km)

Entlang der Reisfelder radeln wir zu den Sandsteinfelsen. Am Eingangshäuschen lassen wir unsere Räder zurück und laufen hinauf zu den Felsen. Auf dem Weg hinauf kommt uns der Wärter mit einem Radio um den Hals entgegen und erzählt uns, dass es in der Hauptstadt starke Unruhen gegeben hätte. Anschließend klettern wir hinauf auf die Felsen und sind fasziniert von den stromlinienförmigen Mustern im Gestein. Es bietet sich uns ein weiter Blick auf die weite, von Zuckerrohrplantagen eingenommenen Ebene. Das kreisrunde Bewässerungssystem ist von hier aus gut zu erkennen. Dann radeln wir weiter auf einer durch die Molasse des Zuckerrohrs geschwärzten Straße nach Beregadougou. 

Es geht vorbei an der großen Zuckerrohrfabrik am Ortsseingang. Wir kehren in einen einfachen Maquis ein, trinken einen Tee und besuchen anschließend das Areal der WASA-Frauenvereinigung. Im Innenhof sitzen ca. 50 Frauen auf bunten Tüchern unter zwei schattigen Mangobäumen und sortieren fleißig Ingwerknollen. Auf den bunten Tüchern türmen sich riesige Berge von Ingwerknollen auf. Wir beobachten wie eine kleinwüchsige, extrem stämmige Frau einen über 50 kg schweren Sack von einem Lkw ablädt und den Inhalt auf ein Tuch auskippt. Gleichzeitig bestaunen wir die feinsäuberlichen Etiketten eines beladenen LKWs mit Cashewnüssen, die für den deutschen Markt bestimmt sind. Der Container wird zuerst nach Bobo gefahren und anschließend mit der Eisenbahn nach Abidjan weitertransportiert, dort wird er dann verschifft und erreicht in ca. vier Wochen Deutschland. Der Präsident der Kooperative begrüßte uns freundlich und macht zuerst ein Foto von uns mit seinem hochglänzenden neuen Smartphone. Ein jüngerer Mitarbeiter führt uns anschließend in die Produktionshalle.

In einem Lehmgebäude befindet sich die Lagerhalle für das Rohmaterial. Der Lehm bietet aufgrund seiner Materialeigenschaften ideale Lagerbedingungen. Von hier aus werden die Säcke in eine Sortiermaschine transportiert, in der die Nüsse nach Größe sortiert werden. Im Anschluss werden die Nüsse in einem großen Kessel auf 100 °C erhitzt, um die Schalen besser lösen zu können. Im folgenden Raum sitzen ca. 80 Frauen, die mithilfe von Maschinen die öligen Schalenreste entfernen. Der Mitarbeiter erzählt uns stolz, dass es jetzt seit drei Jahren diese Maschinen gibt und so die Arbeit der Frauen deutlich entlastet. Durch die Maschinen konnten 50 Arbeitsplätze eingespart werden. Trotzdem können wir unsere Blicke kaum von den ölverschmierten Händen der Frauen lösen. Im folgenden Produktionsbereich müssen wir die Schuhe ausziehen, und man zeigt uns einen großen Backofen, in dem die Nüsse bei ca. 75 °C für zwei Stunden gebacken werden. Im nächsten Raum sitzen die Frauen in sterilen weißen Kitteln und Mundschutz und sortieren die Ware weiter. Penibel wird darauf geachtet, dass Fremdkörper wie Schalenreste entfernt werden. Nur so werden die Nüsse auf dem deutschen Markt akzeptiert. Nach der Besichtigung wollen wir in dem Shop ein paar Nüsse kaufen, doch leider gibt es außer getrockneter Mango kaum etwas zu kaufen. Nach einem Mangosaft schauen wir uns noch die Ingwerproduktion an und stellen fest, dass die hiesige Ingwer extrem scharf ist.

Anschließend radeln wir weiter zum Camp. Jeder von uns bezieht eine luxuriöse Rundhütte mit eigener Dusche und Toilette. Zum Abendessen gibt es Couscous mit Fisch. Der Präsident der Frauenvereinigung erzählt von seiner Reise nach Deutschland, von seinem Problem mit der großen Kälte und der deutschen Küche. Er erzählt uns auch, dass das Heiratsalter bei Frauen in Burkina Faso offiziell bei 18 Jahren liegt, manchmal jedoch auch schon mit 16 geheiratet wird. Männer heiraten meist ersten Mitte 20, da sie zuerst einen Job bekommen müssen, um die Frauen wirtschaftlich versorgen zu können./

 

Beregadougou – Bobo (80 km)

Um neun Uhr verlassen wir das Camp und verabschieden uns von Ruedi, Thomas und Bert. Sie wollen heute eine neue Alternativstrecke nach Bobo ausprobieren, während wir der direkten Asphaltstraße folgen wollen. Nach einem kurzen Pistenabschnitt vorbei an kleinen Rundhüttendörfern erreichen wir die Asphaltstraße. Glücklicherweise ist es heute nicht so heiß, und es weht ein leichter Wind. Die Strecke führt größtenteils durch eine recht schattenlose Trockensavanne, und regelmäßig werden wir von schwer beladenen LKWs, die in Richtung Elfenbeinküste fahren, überholt. An einem Marktstand kaufen wir frische Mangos, die wir an einem trocken gefallenen Brunnen verspeisen. Von solchen süßen und saftigen Mangos kann man Deutschland wirklich nur träumen. 

Im Verlauf des Tages nimmt der Gegenwind stärker zu und macht das Vorankommen mühsamer. In regelmäßigen Abständen passieren wir liegengebliebene LKWs mit gebrochenen Achsen. Im Schatten ihrer Fahrzeuge sitzen die Fahrer und trinken Tee. Um die Mittagszeit erreichen wir das Städtchen Peine und kehren in ein einfaches Maquis ein. Hier essen wir eine Portion Reis mit einer schmackhaften Erdnusssauce für umgerechnet 0,30 €. Wie immer bei unseren Stopps werden wir beim Essen neugierig beobachtet. Anscheinend machen hier nur wenige weiße Touristen halt. 

Den folgenden recht monotonen Streckenabschnitt verkürze ich mir mental durch eine entsprechende Musikbeschallung. Diese Methode hat sich für mich bereits auf vergangenen Radreisen als ein effektives Mittel erwiesen. Schülergruppen in Schuluniform auf Fahrrädern ziehen an uns vorbei und grüßen freundlich. Nach fast zwei Stunden machen wir Halt in einem Maquis und genießen kalten erfrischenden Mangosaft. Im Hintergrund plätschert der von der Elfenbeinküste stammende Reggaestar Tiken Jah Fakoly und sorgt für die passenden Beats. Die Leute begrüßen uns wie immer extrem freundlich und machen begeistert Fotos mit uns. Nach dieser erholsamen Pause fahren wir weiter und erreichen bald die Außengrenzen von Bobo. Wir beobachten Frauen mit schwer beladenen Holzkohlewagen, die die steilen Hügel hinaufschieben. Auf dem Rücken tragen sie meist noch ein kleines Baby. Die Strecke führt uns durch die ausgedehnten Industrievororte von Bobo, und wir müssen uns konzentrieren, um nicht im Verkehrschaos unterzugehen. Erschöpft erreichen wir das Zion und trinken ein kaltes Bier und essen leckere Lasagne.

Stadtrundfahrt in Bobo (30 km)

Nach dem Frühstück kämpfen wir uns durch das morgendliche Gewühl von stinkenden Zweirrädern zum Bahnhof. Das lange weiße Gebäude ist noch ein markantes Relikt aus der französischen Kolonialzeit. Im Inneren gibt es jedoch kaum etwas zu entdecken. Lediglich zweimal die Woche fährt ein Zug nach Abidjan, aber ansonsten passiert hier kaum etwas.

Danach beginnt unsere chaotische Suche nach dem Musikmuseum. Theo versucht uns mithilfe von Google Maps den Weg zu weisen, und wir fahren von einer Ecke der Stadt in die nächste. Komischerweise wechselt der Standort des Museums auf der digitalen Karte permanent. Nach dutzenden Zusatzkilometern finden wir endlich den richtigen Weg und folgen dem breiten Boulevard der Revolution. Es geht vorbei an den großen neuen Moscheen und den großen christlichen Kirchen. Außerdem liegt hier auch eines der größten Busterminals der Stadt, und wir müssen aufpassen, da ständig Menschen die Straße überqueren. Am Randstreifen stehen überladene alte Mercedesminibusse, auf deren Dächern sich eine eine Vielzahl von Waren stapeln. Zwischen den Bussen drängen sich fliegende Händler und versuchen, ihre Waren an die Passagiere zu bringen. Der Qualm der Garküchen schwängert die Luft.


Am Ende der Straße erreichen wir das große Fußballstadion, und in einer Seitenstraße finden wir endlich das langersehnte Museum. Im zugehörigen Restaurant des unauffälligen Museumsgebäudes nehmen wir zuerst eine kalte Cola zu uns. Das Arbeitstempo der Belegschaft lässt darauf schließen, dass anscheinend nicht viele Touristen den Weg ins Museum finden. Zu Beginn der Führung wird uns ein Film zu den unterschiedlichen Trommelinstrumenten der Ethnien von Burkina Faso gezeigt. Eindrucksvoll erleben wir die Performance des Balafons und der unterschiedlichen Trommeln. Anschließend beginnt die Führung. Unser Führer erklärt uns die unterschiedlichen Trommelinstrumenten für die verschiedenen Nutzungen und Anlässe z.B. Jagd, Kommunikation, Initation. 


Im zweiten Raum werden die unterschiedlichen Streichinstrumente präsentiert. Zu Beginn der Führung werden wir darauf hingewiesen, dass wir die bis zu 200 Jahre alten Instrumente auf keinen Fall berühren dürfen, zum Ende der Führung ermutigt uns unser Führer, die Instrumente ruhig auszuprobieren. Im letzten Raum zeigt man uns die unterschiedlichen Balafons. Markant sind speziell die konvex gebogenen Riesenbalafons, die im Stehen verwendet werden. Da die Luftqualität in diesem Museumsraum nur noch schwer zu ertragen ist, bin ich gezwungen die Führung abzubrechen und draußen zu warten.

Nach dem Besuch des Museums radeln wir zurück in die Innenstadt und beobachten Tausende von Menschen, die die Straßen queren, um zum Freitagsgebet zu kommen. In einem Restaurant an einer Straßenecke nehmen wir ein leckeres Couscous mit grünen Bohnen zu uns. Danach fahren wir zur alten Lehmmoschee, die zur Zeit leider komplett umzäunt ist und restauriert wird. Trotzdem finden wir schnell einen Führer, der uns die Innenräume zeigen möchte. Selbstverständlich müssen wir unsere Schuhe vor dem Betreten ausziehen, und und schnell findet sich auch ein Schuhwächter. Im Innenraum der Moschee es ist trotz der Mittagszeit angenehm kühl, hier zeigt sich wieder der Vorteil des Lehms bei den hier herrschenden klimatischen Bedingungen. Unser Touristenführer erklärt uns, dass hier regelmäßig das große Freitagsgebet stattfindet und normalerweise hunderte von Menschen auf dem unverputzten Lehmboden beten. Nach der Besichtigung radeln wir zurück ins Camp une verbringen einen entspannten Nachmittag.
 

Ruhetag in Bobo- Besuch eines Balafonkonzertes

Heute verbringe ich einen Vormittag im Camp. Burga und ich machen einen entspannten Spaziergang durch das Wirrwarr der kleinen Straßen in unserer direkten Nachbarschaft. Wir besuchen die kleinen Restaurantbuden und schauen den Schneidern bei der Arbeit über die Schulter. 

Nachmittags besuche ich mit Viola,Theo und unserer Gastgeberin einen lokalen Markt. Auch hier findet sich ein breites Angebot an Obst und Gemüse neben Trockenfisch. Leider ist die Auswahl an traditionellen Stoffen hier nicht so hoch wie in Banfora. Viola und ich setzen daher schnell zum Rückzug an. Plötzlich versammelt sich vor dem gegenüberliegenden Stand eine Menschenansammlung, und wir befürchten schon eine aufkommende Schlägerei. Dann zeigt sich uns jedoch die Ursache des Auflaufs: eine riesige Ratte läuft quer durch die Marktstände. Schnell greift ein älterer Mann nach einem Holzknüppel und beginnt wild auf das hilflose Tier einzuschlagen. Stolz präsentiert er anschließend seinen Fang den umliegenden Marktfrauen.

Etwas verstört laufen Viola und ich über die glühend heißen Pisten zurück zu unserer Unterkunft. Abends besuchen wir ein Balafonkonzert in einer Kneipe um die Ecke. Schon beim Betreten der einfachen Bretterbude werden wir von der ohrenbetäubenden Lautstärke der Musik zurückgeschleudert. Bert ist es eindeutig zu laut und er dreht wieder ab in Richtung Zion. Wir anderen bekommen von einer Kellnerin flott einen Plastiktisch vor die Füße gestellt, und schnell folgt auch das kalte Bier. Die Band steigert sukzessive das Tempo des Trommelkonzertes, und es entwickelt sich eine Art tranceähnlicher Zustand. Vor unserem Tisch beginnt plötzlich ein etwa zehnjähriges Mädchen mit Rastazöpfen wild zu tanzen. Immer mehr Leute stehen auf und tanzen zu den Tribelbeats. Wir haben das große Glück, diese unbeschreiblich intensive Atmosphäre beobachten zu können. 


Rückfahrt nach Ouga

Um 5:30 Uhr verlassen wir das Zion in einer noch zarten Morgendämmerung und radeln über die Pisten zurück zur Hauptstraße. An einer schlecht beleuchteten Stelle unterschätze ich die Tiefe des Sandes, und es zieht mir plötzlich das Vorderrad weg. Ich rutsche seitlich weg. Trotz der geringen Geschwindigkeit trägt mein rechtes Bein diverse leichte Blessuren davon.

Im Busterminal beaufsichtigen wir wieder die Verladung unserer Räder. Die Rückfahrt verläuft diesmal akustisch deutlich entspannter, und ich benötige keine Ohrenstöpsel. Gegen Mittag erreichen wir Ouga und radeln ins Hotel. Dort warten wir auf die anderen und laufen abends gemeinsam zu einem Restaurant am Stadion. Hier gibt es frisch gebratenes Hühnchen oder Fisch mit Pommes. Wir nehmen Platz auf einem der bunt zusammengewürfelten Plastiktischgruppen und genießen die angenehmen Abendtemperaturen und das wunderbare Essen. Das Restaurant scheint auch bei den Einheimischen sehr beliebt zu sein, da im Verlauf des Abends kaum noch ein Tisch unbesetzt bleibt. 


Besuch des Kunsthandwerkmarktes – Heimreise

Nach dem Frühstück kämpfen wir uns erneut durch das morgendliche Verkehrsgewühl von Ouga. Nach etwa 10 km erreichen wir das Geläne des Kunsthandwerkmarktes. Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen handgefertigten Souvenirs zu entdecken, z.B. traditionelle Musikinstrumente, Lederwaren, Stoffe etc. 


Nachmittags nehmen wir noch ein leckeres Mittagsessen im Hotel zu uns und beginnen anschließend mit der Verpackung der Räder. Ich entschließe mich auch dazu, meinen stark demolierten Karton zurückzulassen und stattdessen das Rad einfach in einer Plastikplane zu verpacken. Gegen 18 Uhr fahren wir dann zum Flughafen, um unser Gepäck einzuchecken. Als wir an den Check-in Counter von Air France treten, weist uns die selbstbewusste Chefin des Bodenpersonals darauf hin, dass Air France keine Fahrräder in Plastikverpackungen transportieren würde. Auch Ruedis Versuch, die Dame charmant zu umgarnen, bleibt unbeantwortet. Sie weist darauf hin, dass wir uns doch einfach passende Kartons auf dem Flughafengelände suchen könnten.

Niedergeschlagen und genervt schieben wir die Räder zurück in die Haupthalle zur Verpackungsmaschine. Hier beginnen einige Angestellte, kleine Kartons zu zerreißen und sie in einen Flickenteppich zu verwandeln. Unter den wachsamen Augen der Chefin muss jedes Rad in zusätzlicher Thermoplastikfolie und winzigen Kartonstücken verpackt werden. Die Logik dieses Unterfangens erschließt sich uns nicht wirklich, aber irgendwann ist sie dann zufrieden, und wir dürfen einchecken. Im Flughafenrestaurant nehmen wir noch ein letztes Kaltgetränk zu uns und verabschieden uns von Viola und Bert und fliegen dann zurück nach Paris.